Nebelkerzen - Teil 3
Zum Schluss habe ich noch ein paar Worte in eigener Sache:
"Warum tust du dir das eigentlich an? Mit deiner extremen Einstellung machst du dir viele Feinde. Die Medien werden sich auf dich stürzen und dich zerreißen. Deine Privatsphäre ist von nun ab auch nicht mehr sicher."
Lassen wir mal die Kirche im Dorf. So wichtig bin ich nicht und vielleicht wird dieser Beitrag eh als Spinnerei abgetan oder bleibt weitgehend unbeachtet. Wer mich aber unbedingt als Feindbild braucht, dem will ich diese Freiheit nicht nehmen.
Noch vor gar nicht so langer Zeit mussten Menschen für das Eintreten ihrer Überzeugungen in unserem Land ihr Leben oder ihre Freiheit lassen (und in vielen Ländern der Erde ist das heute noch so). Diese Menschen haben damit die heutige Demokratie erst ermöglicht. Nun liegt mir dieses Thema auf der Seele und ich möchte meinen Beitrag zu dieser Diskussion leisten. Für mich ist das ein Stück gelebte Demokratie: Nicht nur das „Ab-und-zu-mal-wählen-gehen“, auch das „Mund-aufmachen“, wenn ich an die Relevanz meiner Meinung glaube oder sie zumindest für möglich halte.
Ich könnte das irgendwo anonym machen, aber nach meiner Beobachtung wird ein Beitrag von vielen nur dann ausreichend ernst genommen, wenn der Beitragende bekannt ist. Aus meiner Sicht ändert das zwar nichts an den Argumenten selbst, aber offenbar in der Wahrnehmung vieler anderer. Ich breche mir damit umgekehrt keinen Zacken aus der Krone. Hier bin ich also. :-)
Gleichzeitig erhöht - der Vorwurf wird kommen - eine solche Veröffentlichung meine Popularität. Naja - der Schuss kann ja auch nach hinten losgehen, das Ganze ist also ambivalent. Ob es mich in meiner Karriere oder irgendwie persönlich weiterbringt? Wer weiß das schon? Aber hey: Was ändert es an den Argumenten?
Man kann mich nun an den Pranger stellen, meine persönlichen Daten stehen ja notgedrungen im Impressum. Je mehr sich aber trauen, ebenfalls mit herunter gelassenem Visier zu streiten, desto enger wird es auf dem Podest. Irgendwann ist kein Platz mehr auf dem Pranger und die, die einen dort hinstellen, werden endlich feststellen, dass sie nicht die Mehrheit sind.
Die Mehrheit will – so hoffe ich – nicht einfach Leute diskreditieren, sondern sich mit Argumenten auseinandersetzen. Argumente passen allerdings an keinen Pranger, man muss sie zuvor „personifizieren“.
Meine Einleitung war:
"Nach der ganzen Diskussion im Internet zu diesem Thema, bin ich an diesem Punkt auch angekommen. Bislang."
Einzig das Recht auf Anerkennung der Urheberschaft erscheint mir ab einer gewissen Schöpfungshöhe sinnvoll, aber dafür brauche ich kein UrhG, das könnte man auch im Zusammenhang mit anderer Persönlichkeitsrechte regeln. Das Recht begründet auch kein Monopol und schränkt somit keinen Zugang zu Informationen und Kulturgütern ein.
Das ist mein Beitrag zu der laufenden Diskussion. Ich habe nur die in meinen Augen falschen Argumente beleuchtet und habe dagegen argumentiert. Gleichzeitig habe ich mich gegen die aktuelle Situation ausgesprochen und meine derzeitige Meinung offenbart, aber nicht ausreichend erklärt. Für wirklich gute Argumente zur Änderung des Urheberrechts empfehle ich die folgende Linkliste. Mein extremer Standpunkt findet sich dort aber nirgends, den muss man sich schon selbst bilden – oder eben nicht.
"Woher kommen deine Anregungen? Wo kann ich gute Informationen zum Thema finden?"
- http://www.scilogs.de/wblogs/blog/sprachlog/sprachwandel/2012-04-06/offener-brief-an-die-contentindustrie
- http://anneschuessler.com/2012/05/11/ich-bin-die-bose/
- http://www.internet-law.de/2012/05/wir-sind-die-burger.html
- http://www.internet-law.de/2012/03/mussen-wir-uns-vom-konzept-des-geistigen-eigentums-verabschieden.html
- http://wir-sind-die-buerger.de/
- http://wir-sind-urheber.de/
- http://wirsindfilesharer.wordpress.com/2012/05/11/wir-sind-filesharer/#comments
- http://www.lawblog.de/index.php/archives/2012/05/10/ihr-seid-nicht-systemrelevant/
- http://blog.odem.org/2012/05/urheber-angst.html
- http://heise-online.mobi/tp/artikel/36/36909/1.html?from-classic=1
- http://wk-blog.wolfgang-ksoll.de/2012/05/04/wo-kommt-die-kostenlos-kultur-her/
- http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/aus-dem-maschinenraum/aus-dem-maschinenraum-die-neuen-hilfssheriffs-des-internets-11746770.html
- http://opalkatze.wordpress.com/2012/05/13/in-was-fur-einer-gesellschaft-wollen-wir-leben/#gesellschaft
- http://www.indiskretionehrensache.de/2012/05/urheberrecht-internet/
- http://carta.info/43660/wir-sind-die-urheber-ohne-mich/
- http://neusprech.org/geistiges-eigentum/
... und von einigen anderen Seiten. Aber das sollte als Grundlage für den Einstieg ins Thema reichen. Einige sehr gute (leider auch viele schlechte) Argumente finden sich dabei in den ganzen Kommentaren.
"Was kann ich jetzt mit deinem „Textkunstwerk“ anfangen?"
Dieser Text darf ohne kommerzielle Ziele (Werbung in privaten Blogs steht dem bei mir ausdrücklich nicht entgegen) bei Nennung des Urhebers und unter gleicher Lizenz frei verbreitet werden. Anders ausgedrückt: CC-BY-NC-SA
Anregungen und Kritik begrüße ich. Ein paar Regeln für die Kommentare habe ich aber:
- Ich mag keine Beleidigungen und auch keine inhaltsleeren Beiträge. Meine Löschschwelle ist niedrig, gerade bei Herabwürdigung anderer. Orientiert euch bitte am Beleidigungslevel des obigen Textes.
- Wer hier postet stimmt gleichzeitig zu, dass sein Beitrag für relevant befunden werden und sich damit im obigen Text wieder finden könnte. Das erfolgt dann ohne Nennung des Autors (wäre ja auch Quatsch weil sich der Autor nicht zuverlässig verifizieren lässt) und vermutlich auch mit Umbau der Form und vielleicht sogar mit Erweiterung oder Änderung des Sinns.
- Im Übrigen gelten auch hier die gleichen Gesetze wie üblich und dazu der kategorische Imperativ


Niemand verlangt, dass Pepsi Coca Cola produzieren kann, damit Coca Cola endlich das Monopol auf Coca Cola verliert.
Und Pepsi Cola schmeckt anders als Coca Cola.
Das Wort Monopol wird hier in der Urheberrechtsdebatte eindeutig missbraucht.
Zu den Hobbyurhebern: Ich glaube, da gibt es doch meistens einen Unterschied zu Profis, den man auch spüren kann. Und das Beispiel Sting und Elton John zeigt ja, dass es einen Unterschied macht, wer etwas macht. Und die meisten wollen eben keine Hobbysachen, sondern Profisachen.
Übrigens ist die Vererbung von Firmen auch nur ein Recht, wenn man es so nehmen will. Das ist schon gleichwertig zum Urheberrecht.
Ansonsten eher pseudoneutral, sehr zu Gunsten der Sauger.
Wo bleibt das Argumentation, dass das Urheberrecht ein Menschenrecht und Grundrecht ist.
Das Urheberrecht schützt keine Informationen, sondern nur die Ausarbeitung eines Werkes.
Ja, auch beim Bäcker bezahlt man für das Rezept mit, wenn es einem schmeckt. Für ein gut schmeckendes Brot kann der Bäcker vielleicht mehr verlangen als für ein Brot, was nicht so gut schmeckt. Du bezahlst nicht nur die Materialkosten und die Arbeit.
Bei Coca Cola bezahlt man auch hauptsächlich das geistige Eigentum, bei Medikamenten auch, weil die Rohstoffe an sich saubillig sind.
Ach ja, man kann auch Texte darauf analysieren, wie sie gebaut wurden, um für die eigenen Texte etwas zu lernen. Das machen auch viele Schriftsteller, deshalb kommt dabei keine Kopie des anderen Werkes dabei heraus.
Es muss natürlich eine gewisse Schöpfungshöhe erreicht werden, damit das Werk einen Schutz erfährt. Und genau diese Information ist dann geschützt und zusätzlich noch Informationen, die einen gewissen Grad der Ähnlichkeit aufweisen.
In meiner Rubrik "Gedanken" steht auch ein Gedicht mit dem Titel "Dunkelheit". Eigentlich ist es ein Lied, aber die Vertonung stelle ich hier erstmal nicht online. Zum einen ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich mit Worten ein neues Werk schaffe viel größer als bei Tönen - das liegt an dem verbrauchten Tonumfang "sinnhafter" Klangfolgen, zum anderen kann ich auch leichter Prüfen, ob es zu große Ähnlichkeiten zu anderen bekannten Werken gibt - z.B. mit einer Suchmaschine.
Meinungsfreiheit bedeutet ja nicht, dass man die Meinung anderer veröffentlichen kann, sondern dass man seine eigene Meinung veröffentlichen darf.
Gedankenfreiheit setzt voraus, dass man sich Gedanken macht, dass kann dann nicht bedeuten, dass man Text X einfach kopiert, denn hat man sich keine Gedanken gemacht.
Um meinen Punkt etwas klarer zu machen zwei Beispiele: Eine von mir sehr geschätzte Youtuberin hat ein Video erstellt, bei dem sie den Song "Albi the racist Dragon" mit Kostümen synchronisiert, also sie tut so als ob sie singt und liefert eine großartige Performance, allerdings läuft eben dabei ein Lied das sie nicht geschrieben hat und noch nichtmal selbst singt. Das Recht darauf sollte man ihr meiner Meinung nach nicht verwehren, auch sie hat in dieses Video eine Menge Arbeit gesteckt, sie tat dies nicht mit Gewinnabsicht sondern als eine Art "Fanart", sollte sie jedoch, eben weil das Zusammenspiel aus tollem Lied und toller Performance gut ankommt damit Geld verdienen im Zweifelsfall auch dazu verpflichtet sein, einen Teil des Gewinnes abzugeben, es war schließlich nicht _allein_ ihre Arbeit die zu Einnahmen geführt hat. Sollte sie zuerst um Erlaubnis fragen müssen und wenn ja, bei wem? Beim Urheber oder dem Verwerter der die Rechte gekauft hat?
In diesem Fall würde ich das verneinen, unter anderem deshalb weil es eben eine Homage an die Künstler ist, die diese sicher billigen, das zweite Beispiel sieht etwas anders aus.
Wenn ich als Softwareentwickler ein Programm zur Flugberechnung von Mondraketen schreibe, möchte ich möglicherweiße nicht, dass diese Entwicklung auch für Marschflugkörper eingesetzt wird, gerade im Bereich Wissenschaft und der Frage ob die Forscher/Erfinder ein Mitspracherecht haben sollten wozu ihre Erfindungen eingesetzt werden ist das Mitunter ein heikles Thema.
Allerdings sind Patentrecht und Urheberrecht auch zwei verschiedene Dinge, im Softwarebereich verschwimmen die Grenzen, und ausgerechnet Software"patente" haben wenig mit der allgemeinen Vorstellung von Patenten gemein, dort werden zunehmend Ideen geschützt, nicht deren konkrete Umsetzung, so hat beispielsweise Apple ein Patent auf das Vor- und Zurückschwingen bei der Navigation ohne eine einzige Zeile Code eingereicht zu haben. Damit ist es beispielsweise mir unmöglich die gleiche Idee etwas anders, möglicherweise viel besser umzusetzen, Apple verbietet das schlicht und ergreifend.
Muss ich mich entscheiden zwischen Mitspracherecht meiner konkrete Entwicklung eingesetzt wird oder Softwarepatenten würde ich schweren Herzens das Mitspracherecht aufgeben, allerdings würde ich einen Kompromiss bevorzugen.
Diese Vertragskonstrukte mit ihren Schranken könnten genauso für einen Urheber ausreichen.
Aus Sicht der Gesellschaft ist der Wunsch nämlich nicht mehr so verlockend. Wenn ich einem "guten" Rechteinhaber erlaube, jeden Nutzer zum "guten" Umgang mit seinem Rechtsobjekt zu verpflichten, erlaube ich damit auch jedem "bösen" RI, jeden Nutzer zum "bösen" Umgang zu zwingen. Diese Ermächtigung ist zumindest ambivalent.
Wenn ich aber noch einen Schritt weiter gehen und nur das "Gute" zulassen will, muss ich (als Gesellschaft) damit die Entscheidung über "Gut" und "Böse" verbindlich treffen.
Im Grunde wird genau diese Unterscheidung bereits gemacht, z.B. über das Strafgesetzbuch und genau genommen über so ziemlich alle weiteren Gesetze.
Ein gesondertes Urheberrecht ist daher in meinen Augen entbehrlich.
Es besteht Vertragsfreiheit und ein verkauftes Werk könnte, in der vielbeschworenen Analogie zum Eigentum, verkauft und damit dem rechtlichen Zugriff des Verkäufers entzogen sein.